Nachdem ich im März letzten Jahres regionale Pflegedienste und am Thema Interessierte zu einem Treffen mit Sozialministerin Drese eingeladen hatte, ergaben sich zahlreiche Fragen und Verbesserungsansätze.
Selten werden Theorie und Praxis als Einheit erlebt und gerade an der Basis der Berufsausübung wünscht man sich mehr Einflussnahme auf die Festlegungen durch Politik und Behörden.
Ich entschied mich also für eine Anfrage bei den Wismarer ambulanten Pflegediensten,
mir einen Praktikumstag zu ermöglichen.

Zunächst konnte ich beim Pflegedienst Krohn praktische Erfahrungen sammeln.
Ich habe darüber bereits 2019 berichtet.
In dieser Woche durfte ich nun erneut eine Fachkraft des Wismarer Pflegedienstes Hoop bei ihrer wertvollen Arbeit begleiten. Wieder war es eine Frühschicht, die es in sich hatte. Patienten mit hohen Anforderungen im Krankheitsbild wurden von Schwester Dana fachlich versiert versorgt und trotz straff organisiertem Zeitplan mit liebevoller Zuwendung bedacht.
Der Geschäftsführer des seit 1990 bestehenden Familienunternehmens, Bennet Hoop, bestätigte mir im anschließenden Gespräch die Bedeutung von Professionalität und Individualität. Die Zufriedenheit der Kunden geht für ihn einher mit der seiner Mitarbeitenden. „Ein gutes Zusammenspiel ist wichtig für die Wirtschaftlichkeit“, stellt er ohne Umschweife fest, „aber Würde und Wertschätzung auf beiden Seiten sind die Voraussetzung für die gute Pflegeleistung, für die wir stehen“, sagt er. Insgesamt 40 Mitarbeitende gehören zu seinem Team. Ihre Einsatzfreude zu fördern, ist für ihn selbstverständlich, weshalb er individuelle Fähigkeiten, Kreativität und persönlichen Bedarf stets in den Fokus seiner Entscheidungen nimmt. So gibt es „Mutti-Touren“, die eben später beginnen und allgemein auf die Kita-Zeiten der jeweiligen Pflegefachkraft abgestimmt sind.
Er zahlt Tarif nach AVR und weiß doch „Geld ist nicht alles“. Betriebliche Altersvorsorge, gesundheitliche und präventive Maßnahmen wie Yogakurse, Rückenschule, Ernährungsberatung gehören für den studierten Gesundheitsökonomen quasi mit zur Entlohnung. Auf den Tischen seiner Büroräume stehen Schalen mit frischem Obst, Wasser, Kaffee, alles inclusive.

Der Fachkräftemangel ist für ihn trotzdem nicht einfach so zu beheben. So wünscht er sich von der Politik einen der Realität angepassten Rahmen, um die pflegerischen Aufgaben besser delegieren zu können. „Die Medikamentenaufstellung zum Beispiel könnte aus meiner Sicht auch eine Pfleghilfskraft übernehmen, genauso wie es auch Angehörige machen.“ Er erläutert die wesentlichen Unterschiede in den Leistungen nach dem SGB, demnach gibt es die Verordnungen mit genauer zeitlicher Vorgabe und die pflegerischen Tätigkeiten mit mehr individuellen Möglichkeiten, sich dem Patienten bzw. Kunden zuzuwenden. Alles verlange natürlich klare Strukturen, Zuständigkeiten und Organisation. „Das braucht es auch zu Hause“, meint der frisch gebackene Vater eines Sohnes lächelnd. Mit seiner Frau stimmt er sich sicherlich mehr persönlich als digital ab, aber im Unternehmen ist er höchst modern ausgerichtet. „Unsere Planung erfolgt durch eine Pflegedienstleitung und wird laufend über eine App auch für das Team vor Ort aktualisiert“, erzählt der junge Unternehmer. Man merkt ihm an, dass er die Herausforderungen dieses Berufs, die Teamführung und – bindung, das Strukturieren der Leistungen, Verhandeln mit Kostenträgern u.v.m. gerne annimmt.
Ein besonderes Anliegen ist ihm noch die Information für pflegende Angehörige zur Verhinderungspflege. „Viele wissen gar nicht, was sie dadurch auch für eine Entlastung erfahren können“, sagt er engagiert.
„Der Alltag ist wahrlich nicht einfach, wenn man selbst Angehörige pflegt, und da ist es schon für die eigene Gesundheit wichtig, sich auch selbst mal frei von der Pflicht zu geben“. Diese Möglichkeit gibt es ab Pflegegrad 2 im Rahmen eines bestimmten Jahreswertes. Auch die Kurzzeitpflege empfiehlt er zu nutzen, und steht interessierten Angehörigen für alle Fragen beratend zur Seite.

Ich konnte mich in meinem Praktikum ein weiteres Mal von den hohen physischen und psychischen Anforderungen des Pflegeberufes überzeugen. Umso mehr beeindruckt mich die Freude, die Pflege- wie Führungskräfte dabei ausstrahlen.
Mit neuen Anregungen für notwendige Veränderungen ausgestattet, werde ich meine Erfahrungen demnächst durch ein Praktikum im stationären Bereich ergänzen.
Da sind die Herausforderungen andere, aber nicht weniger groß.

Ich bedanke mich beim Pflegedienst Hoop für das Vertrauen und wünsche dem Unternehmen für die Zukunft alles Gute.