Meine Tätigkeit als Mitglied des AdR führte mich am 18. und 19. Februar 2019 nach Palermo. Viele Punkte gab es abzuarbeiten, zu diskutieren und zu beschließen. Zwei davon möchte ich herausstellen:
Da geht es zunächst um eine Stärkung der Verbindungen zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, sprich eine nachhaltige Bioökonomie für Europa. Eine große Herausforderung, angesichts Klimawandel, Verschlechterung von Böden und Ökosystemen, Bevölkerungszuwachs und mehr. Innovativ muss die Art und Weise der Herstellung von Lebensmitteln, Produkten und Materialien verändert und verbessert werden. Die Bioökonomie umfasst alle Sektoren und Systeme sowie deren Funktionen und Grundsätze, die auf biologische Ressourcen (Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und daraus gewonnene Biomasse, einschließlich organischer Abfälle) angewiesen sind. Ihr enormer Anteil am EU-Umsatz – und Arbeitsmarkt verlangt schon lange den Blick auf Nachhaltigkeit und gleichzeitige Modernisierung. Vor allem in den lokalen Bioökonomien der Küstenregionen und ländlichen Gebieten dürfte der Anteil an Primärproduzenten spürbar steigen und damit könnten auch neue Arbeitsplätze entstehen. Bereits 2012 wurden Ziele für eine Bioökonomie-Strategie festgelegt. Diese standen jetzt auf dem Prüfstand und wurden unter Beachtung der weiterentwickelten politischen Prioritäten in eine aktualisierte Strategie überführt. Um zum Erfolg der EU bei der Entwicklung der Bioökonomie beizutragen, sind vor allem die biobasierten Sektoren auszuweiten und zu stärken. Dazu sind Investitionen zu mobilisieren, Märkte zu entwickeln und europaweit lokale Bioökonomien aufzubauen. Das erfordert ebenso die allgemeine und berufliche Bildung sowie die Fertigkeiten in der Biowirtschaft vor Ort zu fördern. Eine Menge Fragen suchen nach Antworten: Wie lässt sich der berufsbildende Sekundarunterricht weiterentwickeln und auf regionaler Ebene unterstützen? Wie wird man den Anforderungen dieses Arbeitsmarktes gerecht? Wie gewinnt man die Regionen, Wissensdatenbanken zur Bioökonomie zu verbessern, usw. In der nächsten Zeit werden hierfür Aktionspläne entwickelt und auf weiteren Sitzungen diskutiert und verabschiedet. Der AdR ist dabei ein Instrument des Dialogs mit der Europäischen Kommission. In einem weiteren Punkt wurde am zweiten Sitzungstag die Stärkung der MINT- (und Kunst-)Fächer in der EU diskutiert. Vertreter verschiedener Länder berichteten von ihren Erfahrungen. Weltweit gilt mittlerweile der integrierte Ansatz als notwendig und erfolgreich für den Unterricht der MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Demnach werden die verschiedenen Fächer nicht isoliert voneinander, sondern miteinander zusammenhängend innerhalb eines multidisziplinären Systems konzipiert und unterrichtet. Dennoch gibt es europaweit einen erheblichen Lehrermangel im MINT-Bereich, auch mangelndes Interesse der Schüler und teilweise Diskrepanzen zwischen den Anforderungen des Arbeitsmarktes und den Ergebnissen des vorhandenen Bildungssystems. Erhebungen zeigen aber gerade, dass in den MINT-Berufen die Anzahl der Arbeitsplätze deutlich zunehmen wird. Somit wird es unerlässlich werden, MINT nicht nur in der Hochschulbildung zu berücksichtigen, sondern auch grundlegend auf sämtlichen Ebenen der Primarschulbildung zu integrieren. Ebenso können die immer beliebter werdenden Online-Aus- und Weiterbildungsformen dazu beitragen, auch in weniger entwickelten Regionen den Studierenden Zugang zu den entsprechenden Kenntnissen und Qualifikationen zu ermöglichen. Nicht zu vergessen ist die Erhöhung des Frauenanteils in diesen Bildungsgängen und Berufen. Nur mit adäquater Planung, der Bildung lokaler und regionaler Partnerschaften und der Einbeziehung der Arbeitgeber kann den auftretenden Problemen wirksam begegnet werden.

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